Mit Marcello die Toscana erleben 

 

Mit Marcello in sieben Tagen die Toscana erlebt
Toscana-Reise der Amicizia v. 12.bis 20.10.2001


Die Wievielte? Die dreißigste, die fünfzigste, die hundertste? - ich weiß es nicht. Ich weiß nur: Für mich  war es die erste - und gewiß nicht die letzte! Denn sie war eine rundum "runde Sache", ganz abgesehen davon, daß das Preis-/Leistungsverhältnis über jeder Diskussion stand. Schon zu Schulzeiten - in grauer Vorzeit - habe ich gelernt, daß man bei einem Aufsatz (und ein Zeitungs- oder sonstiger Artikel ist nichts anderes) das Thema nicht verfehlen darf, wenn man nicht Gefahr laufen will, daß das Blau-Rot-Verhältnis auf den Seiten einen noch vertretbaren Proporz übersteigt. Stimmt! Aber das Leben hat mich auch gelehrt, dass es noch viel wichtiger ist, zielgruppengerecht zu schreiben, wenn man die Leser nicht langweilen will. Da viele Reiseteilnehmer "Wiederholungstäter", wenn gar "Dauerbucher", waren - und nicht so ein "Toscana-Greenhorn" wie ich - verkneife ich es mir, die Sehenswürdigkeiten von Pisa oder Elba zu preisen, der romantischen Idylle des Weingutes "Il   Pino" bei Scarlino einen Extra-Absatz zu widmen oder die herrlichen Alabaster-Obstkörbe (neben vielem anderen) aus dem Hause "Rossi" in Volterra künstlerisch zu betrachten. Vielmehr soll der Schwerpunkt meiner Ausführungen bei den Menschen liegen, die dabei waren, und bei den Begebenheiten und Episödchen, die sie freiwillig oder unfreiwillig - produzierten. An die "Reisekrankheits-Kranke" und die "Seeigel-Knutscherin", an Mehmed, den Witze(?)erzähler, und den "Amerikaner" aus Medenbach, neben dem  ich auf einem Mäuerchen in Volterra saß, als wir uns mit einer fliessend Deutsch sprechenden (Goethe-Institut!) italienischen Studentin unterhielten, sei im Nachhinein noch einmal erinnert. Auch an jenen Beinahe-Fährenverpasser von Portoferraio, der um ein Haar nach Piombino hätte hinterherschwimmen müssen. Überraschend war es auch, daß es eine Mitreisende fertiggebracht hatte, trotz mehrfacher intensiver Hinweise, den Appartementschlüssel nicht an der Rezeption abzugeben. Wie gut, daß Marcello schon bald wieder in's Hotel   "Golfo del Sole" fuhr und das Versäumnis ausbügelte. A propos Marcello. Der war als nimmermüder Organisator eine Woche lang "full in action": Als kenntnisreicher Informator über seine toskanische Heimat, als Chef der Picknicks, als rauch-umnebelter Grillmeister im Weingut "Il Pino" und, und, und,...... Daß sich dort so mancher mit kaltgepreßten Oliven-Ölspezialitäten eindecken konnte, war noch ein Zusatzeffekt. Das brauchte er dann am letzten Tag der Reise, auf dem Markt von Follonica, nicht mehr. Hier war - im Rahmen - Feilschen angesagt - vor allem bei Schuhen, Handtaschen, bei Pullovern und Twinsets (auch Margarethe, eine unserer Reisebetreuerinnen konnte da nicht wiederstehen).

Damit wären wir schon bei unserem "Engel-Quartett" - Margarethe und Monika, Irmtraud und Ingrid. Es war allgegenwärtig und meist eher zur Stelle, als es "gebraucht" wurde - mit Reiseapotheke und "Verdauerli", als "Zählwerk" im Bus und für Wetterprognosen. So kommen wir schon zu dem fast allerwichtigsten Faktor für einen jeden gelungenen Urlaub, dem Wetter. Wer in der zweiten Oktoberhälfte verreist, wird wohl nur selten einen vom ersten bis zum letzten Tag so makellos blauen Himmel, so wohlige Wärme-grade und keinen Tropfen Regen erleben wie wir(der Rückreisetag sei da Petrus verziehen). Vergessen waren da längst das "Hochwasser" von Appartement 111, die Umrechnungen der vier-, fünf- und sechsstelligen Lire-Beträge (wohl das einzige Plus des vor der Tür stehenden Euro) und die Angst vor pastabedingten Gewichtszunahmen (vor allem bei den Damen). Wie schön, wenn man dann beim Aussteigen sagen konnte, daß die positiven Erinnerungen nicht nur überwogen, sondern praktisch einen Alleinanspruch hatten. Erinnerungen an uralte Olivenbäume, Pinien und Zypressen, an die tamarisken-bestandene Strandpromenade von Marciana Marina, an die wechselvollen Landschaften von Maremma und Crete, an Castiglione de Pescaia und Bolgheri, an echte Mortadella und dem hierzulande weniger bekannten Pecorino-Käse in seinen drei "Altersstufen". Auch an das exzellente vielgängige Fisch-Menu bei "Vittorio"als krönendes Reise-Finale sei an dieser Stelle dankbar erinnert - auch von mir, einem nicht unbedingten Fisch-Fan. Daß hier der liebenswerte "alte Herr" namens Goldmann am liebsten jeden Mitreisenden einzeln auf seinen Film gebannt hätte (herrlich das Rotlicht seiner Kamera, das zeitweise durch den dünnen Stoff seiner Sommerhose leuchtete), und daß es der Spitzen-Konsument in Sachen Vino ohne fremde Hilfe auf beinahe drei Flaschen brachte, sei an dieser Stelle auch noch erwähnt. Würde mich jemand fragen, was mir besonders gefallen hat, müßte ich eigentlich sagen:"Alles."Von den riesigen Tannenzapfen, die der Wind in den Sand warf, bis zu "Vittorio's" Grappa, von der marmor-satten Basilika von Pisa bis zum Wein und Selterswasser auf den Tischen zu allen Mahlzeiten. Das wichtigste zum Schluß: neben Marcello und seinem Amicizia-Team ein ganz besonders herzliches Dankeschön an Walter und Gerhard, die beiden Busfahrer unserer knapp 100-köpfigen Reisegesell-    schaft, die uns sicher durch die Elba-Berge und die Serpentinen nach Volterra manövrierten und sich - trotz Regen in der Schweiz - als souveräne Kilometerfresser erwiesen. Für die meisten in den Bussen waren sie gute alte Bekannte - unübersehbarer Beweis des hohen Prozentsatzes an "Wiederholungstätern".
Ein Reisebericht von Günther Loheide