Siena

 

Siena

Siena und Florenz — das waren schon immer Konkurrenten. Vielleicht ist es auch heute noch so, wenn selbstverständlich auch nicht in so scharfer Weise wie einst. Aber wer kann ganz konkret sagen, welche der Städte heute schöner, besser, interessanter, wichtiger ist als die andere??

Für Viele ist „die Schönste" jedenfalls eindeutig Siena.

Es ist eine zauberhafte Stadt, eine Stadt zum Verlieben und zum Träumen. Vor allem, wenn man das Glück hat, abends durch die Gassen flanieren zu können, wenn nur noch wenige Touristen da sind, wenn das Straßenbild von den Einheimischen beherrscht wird, wenn die roten Gebäude im schwachen Lampenschimmer glühen und jede Treppe, jeder Torbogen ein Geheimnis zu bergen scheint.

Die Piazza del Campo, einer der eindrucksvollsten Plätze des mittelalterlichen Italien, erscheint wie eine große Bühne, wenn man sie durch einen der Torbogen betritt. Der Blick wird nicht auf ein einziges Gebäude gelenkt, es ist ein Ensemble, das zusammengehört.

Das einzige „Überragende", obwohl an tiefster Stelle erbaut, ist der Turm des Palazzo Pubblico — Torre del Mangia (1325-1344); er überragt nicht nur den Platz, sondern die ganze Stadt und ist wohl als Symbol der Städtefreiheit zu sehen.

Wer keine Probleme hat beim Treppensteigen, für den lohnt sicher eineTurmbesteigung bis zur hellen Travertin-Bekrönung und der großen Glocke von 1666.
Gewaltig der Blick auf den Platz, eingeteilt in 9 Segmente, die den Rat der Neun symbolisieren, der die Stadt im Mittelalter vorzüglich regierte.
Die Fonte Gaia, der Marmor-Brunnen auf dem Campo, wurde ca. 1410 vom Bildhauer Jacopo della Quercia ausgefhrt, die Original-Skulpturen sind aber stark verwittert und in einer Loggia des Palazzo Pubblico ausgestellt. Was wir also jetzt sehen, sind Kopien.


Der Bau des Domes Santa Maria, begonnen 1210, dauerte fast 100 Jahre.
Die Ausführung der Marmorfassade leitete bis 1297 der aus Pisa berufene Giovanni Pisano.

Die unfertigen Teile, die sich im rechten Winkel an das Langhaus des Domes anschließen, sind Fragmente eines geplanten Duomo Nuovo, die an Größenwahn glauben lassen. Als nach der Pest von 1348 die begonnenen Teile Neigungen und Risse zeigten, mußte aufgrund eines Gutachtens das Projekt aufgegeben werden. Unüblicherweise hatte man in Siena schon während der Rohbauarbeiten mit der Marmorverkleidung und dem Skulpturenschmuck begonnen.

Für das Innere des Domes muß man viel Zeit mitbringen; er gehört zu den mit Bildwerken am reichsten ausgestatteten Kirchen der Christenheit.

Eine Besonderheit sind die „Gemälde" des Marmorfußbodens. Bei den älteren Arbeiten (Anfang 15. Jh.) sind die Linien in den Marmor eingeritzt und mit Teer aufgefüllt, 40 bis 50 Jahre später hat man mehrfarbige Marmorstücke nebeneinandergelegt.

Dargestellt sind Sibyllen und Propheten, Allegorien und Szenen aus dem Alten Testament.
Die älteren Felder sind abgedeckt und nur in der Woche vor Mariä Himmelfahrt (15.8.) zu sehen, oft sind allerdings generell die meisten Felder abgedeckt, um sie vor den vielen Touristen-Füßen zu schützen.

Der Piccolomini-Altar wurde auf Veranlassung von Kardinal Piccolomini 1481 von Andrea Bregno begonnen. Der junge Michelangelo erhielt den Auftrag zu 15 Statuetten, von denen er den Hl. Paulus (links unten) und den Hl. Petrus (rechts unten) eigenhändig ausführte.

Sehenswert ist auch die Libreria Piccolomini
(9—19 h; Eintrittsgeld)
Vorzüglich erhaltene Fresken von Pinturicchio (1502/03), die das kirchenpolitische Wirken des Papstes Pius II. aus der sienesischen Familie Piccolomini darstellen.
Eine wertvolle Handschriftensammlung gibt es auch noch.

Die Kanzel des Nicola Pisano und seines Sohnes Giovanni mit Gehilfen, entstanden zwischen 1266 und 1268, ist nach Pisa die zweite Kanzel des Pisani. 9 Säulen aus Granit, Porphyr und grünem Marmor tragen die Kanzel, die mittlere zeigt die Personifikationen der Sieben Freien Künste.