Scarlino

 

Scarlino

Darüber, wie es zu dem Namen kam, sind sich die Gelehrten noch nicht einig.
Der Ursprung könnte bei „Scabris Portus“ liegen (die Römer hatten bei Puntone ihren Schiffslandeplatz) oder bei „scheril = Fackel, weil man von hier oben den Schiffen gut Lichtzeichen geben konnte.
Die Existenz des Örtchens läßt sich zurückverfolgen bis zur späten Bronzezeit (12. Jh. vor Chr.) , was Mauerstrukturen und Keramiken belegen. Auch die Etrusker waren hier und bauten Eisenerze ab. Ein Notariatsdokument von 973 sagt aus, daß ein Lamberto degli Aldobrandeschi einen Großteil seines Besitzes, zu dem auch Scarlino gehörte, zugunsten eines Priesters veräußerte. 16 Jahre später war der Besitz wieder bei den Aldobrandeschi, und in Scarlino entstand ein großzügiges Zentrum mit Schloß, von Mauern umgeben.
 

Eine Cholera-Epidemie, die am 19.8.1855 endete, ist Anlaß für ein heute noch jährlich an diesem genannten Datum stattfindendes Fest, „le Carriere del Diciannove“. Die gottesfürchtige Bevölkerung war 1855 der Meinung, daß das abrupte Ende der Cholera auf ein höheres Eingreifen zurückzuführen ist, und feierten die Erlösung Jahr für Jahr. Seit 1970 hat dieses Volksfest einen ganz besonderen Charakter und bindet so ziemlich jeden Einwohner in irgendeiner Weise bei der Durchführung mit ein. Das Dorf wird so geschmückt, daß man es kaum wiedererkennt. Es gibt Brunnen und Wasserläufe, wo sonst nie welche sind, genauso Portale und Schlösser, mittelalterliche Geschäfte, Bäume und Blumen, alles iniziiert von den 3 (konkurrierenden) Stadtteilen Rocca, San Donato und Zentrum. Dazu kommen gegen Abend Theater-Aufführungen von Laien mit selbst erdachten Texten zu dem Thema, das das Organisations-Kommitee wenige Tage vorher bekanntgegeben hat. Schließlich gehört noch ein Stafettenlauf dazu.
 

Im 14. Jh. wird Scarlino als Grenzschloß (Pisa / Siena) sogar von mächtigen Leuten besucht, so z.B. von Heinrich VII, Ludwig, dem Bajuwaren und Karl IV.
Im Laufe der Jahrhunderte wechselten die herrschenden Familien: Medici, Appiani (Herren von Piombino), 1809 bekommt Napoleons Schwester Elisa die Herrschaft über die Bezirke der Toscana, 1816 vereinigen sich Scarlino und Buriano zu einer Gesamtgemeinde und 1834 verliert Scarlino seine Autonomie (erhielt die Verwaltungsautonomie 1960 aber wieder!)

 

Das Rathaus, eines der ältesten Gebäude von Scarlino (frühes 13. Jh.) birgt seit einigen
Jahren einen besonderen Schatz der „Scarlinesen“, für den extra Ausstellungsräume eingerichtet wurden: Eine wirkliche Schatztruhe mit 100 Goldstücken, perfekt geprägt, aus dem 14. Jh. Ein junger Archäologe sollte den Umkreis der Burg auf mittelalterliche Keramikreste untersuchen und stieß dabei auf die Münzen!

Die Burg ist in den letzten Jahren hübsch restauriert und befestigt worden, so daß sie im Sommer (ein Dach gibt es nicht mehr!) häufig genutzt werden kann für Feste, Theater und Konzerte. Wenn es im Tal stickig und heiß ist, weht hier oben eine frische Brise, und der Blick in die Hügellandschaft mit Kastanienwäldern und fruchtbaren Ebenen, weiter bis zum Meer, ist wunderschön. Und nachts bescheinen Mond und Sterne die romantische Kulisse.

Von der Porta a Mare kann man weit aufs Meer blicken, sieht Elba, manchmal auch Korsika. Abends, wenn die Sonne untergeht, ist es besonders hübsch. Dann kommen auch die Einwohner nach und nach aus ihren Häusern, setzen sich auf die Haustreppe, auf ein Mäuerchen, oder bringen sich einen Stuhl mit und erzählen sich das Neueste vom Tage. An lauen Sommerabenden hört man das Gemurmel - auch von älteren Leutchen - manchmal noch um Mitternacht.

Die Zeit bleibt natürlich auch hier nicht stehen. Unten in Puntone, wo früher vereinzelt kleine Kähne lagen, ist ein großer Hafen entstanden, viele edle Schiffe können bewundert werden, Tennisplätze sollen noch entstehen, Parkplätze gehören auch dazu, und weitere Touristenströme, die das Ganze finanzieren, werden erwartet.