San Gimignano

 

San Gimignano

Ein nahezu authentisches mittelalterliches Stadtbild erwartet uns hier. Von den einst 72 Wehrtürmen, oder Geschlechtertürmen, sind nur noch 15 erhalten. Daß es sie überhaupt noch gibt, ist dem Umstand zu verdanken, daß nach dem Bürgerkrieg, der im 13./14. Jh. tobte (die guelfischen Familien gegen die ghibellinischen) und nach der Pest, die jeden 2. Einwohner dahinraffte, kein Geld mehr vorhanden war, die unzeitgemäßen Wohntürme gegen komfortable Paläste einzutauschen!

Außer den Türmen gibt es noch eine ganze Menge anderer interessanter und schöner Dinge zu sehen. Nachdem die UNESCO sich des Städtchens angenommen hat, ist anzunehmen, daß es in seiner Gesamtheit weiterhin erhalten bleibt. Das derzeit größte Problem sind offenbar wir, die Touristen; seit einigen Jahren hat sich der Massentourismus des Städtchens bemächtigt.
Wenn es geht, sollte man also besser in der Nebensaison hier sein!

An der Piazza della Cisterna mit ihrem Brunnen (um 1300) liegen mehrere Häuser und Türme aus dem 13. und 14. Jh. Der Torre del Diavolo (Teufelsturm) stammt aus dem 14. Jh. und man sagt, bei einer Abwesenheit des Bauherren habe der Teufel den oberen Aufsatz hinzugefügt!

Der Palazzo del Popolo (oder Palazzo Nuovo del Podestà) wurde 1288 vollendet. Der zwischen 1298 und 1310 errichtete Turm ist mit 54 m der höchste der Stadt ; seine Höhe durfte nicht überschritten werden!

Collegiata Santa Maria Assunta (oder fälschlich auch Dom genannt)
1148 geweiht, wurden im Inneren der Kirche im Laufe der Jahrhunderte einige Veränderungen vorgenommen. Die Fassade blieb unvollendet.
Betritt man die Kirche, ist man fast überwältigt von der Fülle der Fresken rundum. (Ein Fernglas wäre jetzt gut!)

Im wesentlichen sind es 2 große Freskenzyklen:
Im linken Seitenschiff Szenen des Alten Testamentes von dem Sienesen Bartolo di Fredi, im rechten Seitenschiff Themen des Neues Testamentes; dieser Freskenzyklus, gemalt um 1350 von Barna da Siena, gilt als einer der am besten erhaltenen des Mittelalters.

An der West-Wand neben dem Haupteingang: „Jüngstes Gericht" von Taddeo de Bartolo (1393).

Am Ende des rechten Seitenschiffs öffnet sich die Cappella di Santa Fina
(9-12 h, 15-18 h, mit Eintrittsgeld)
Fina verstarb 1253 nach einem kurzen, aber mit Wundern angefüllten Leben im Alter von 15 Jahren. Nach ihrer Heiligsprechung 1468 erhielt sie eine eigene Kapelle. Diese ist mit 2 Fresken von Ghirlandaio ausgemalt. Rechts verkündet der Hl. Papst Gregor der Große dem Mädchen den bevorstehenden Tod, links sieht man das Begräbnis der Heiligen.

In der von Augustiner-Chorherren 1280 errichteten Kirche Sant‘Agostino ist ein sehr eindrucksvoller Freskenzyklus von Benozzo Gozzoli (1465/66) zu bewundern mit Szenen aus dem Leben des hl. Augustinus.
Die Kirche selbst ein charakteristisches Beispiel für die mittelitalienische Bettelordens-Gotik.

Einen schönen Blick auf die Stadt hat man von der „Rocca", der einstigen Festung Montestaffoli, die auf der höchsten Stelle des Hügels errichtet wurde. Cosimo I. ließ sie abreißen, und nun dienen Mauer– und Turmrest als Aussichts-Balkon.

Was gewiß keinem entgeht, sobald man die Stadt durch die Porta San Giovanni betritt, das sind die vielen Geschäftchen mit allen möglichen und unmöglichen Sachen.
Was wirklich sehr schön sein kann, das sind Brettchen und Schüsseln aus Olivenholz. Oder Kastanienröster für Leute, die einen offenen Kamin haben.

Auch nicht zu verachten: Produkte aus Wildschwein-Fleisch.