Monte Siepi & San Galgano

 

Monte Siepi & San Galgano

Die Legende erzählt, dass der Ritter Galgano Guidotti aus Chiusdino (Siena) sich schon in jungen Jahren entschloß, der Welt zu entsagen und ein gottgefälliges Leben zu führen. Er trat dem Orden der Zisterzienser bei und ließ sich, nahe bei seinem Geburtsort, auf dem Hügel Monte Siepi 1180 in einer Einsiedelei nieder. Sein Schwert, das ihm fortan nur noch als friedliches Kreuz dienen sollte, rammte er in einen Felsen, der aus dem Boden seiner Klause herausschaute. Galgano lebte als Eremit nur noch 1 Jahr und starb 1181 mit 33 Jahren. Schon 1184 wurde er heiliggesprochen.

1185 begannen die Zisterzienser der Abtei Casamari über seinen Gebeinen ein Oratorium zu bauen, wie wir es jetzt sehen können: Ein kreisrunder Grundriß, eine kleine halbrunde Apsis, eine kleine Vorhalle und ein wunderschönes Kuppeldach mit konzentrischen Kreisen, abwechselnd aus hellen Natur- und dunklen glasierten Backsteinen. Die Toscana darf stolz sein auf dieses besondere Kleinod – mittelalterliche Rundkirchen, dazu im Originalzustand, sind eine Seltenheit!
 

Einige Meter unterhalb des Monte Siepi gründeten die Zisterzienser ein kleines Kloster, das erstaunlich schnell wuchs und zu hohem Ansehen gelangte. Die Mönche konnten sich rühmen, die größten Grundbesitzer der Gegend zu sein und hatten aufgrund ihrer vielfachen Fähigkeiten und ihres hohen Bildungsstandes ein außergewöhnlich hohes Ansehen. Bei politischen, juristischen und finanziellen Streitigkeiten konnte die Stadtverwaltung von Siena auf gute und weise Berater zählen. Die Zisterzienser von San Galgano waren geschätzt als Richter, Notare, Ärzte und nicht zuletzt auch als Architekten und Baumeister. So wurden sie schließlich auch richtungweisend für die französische Gotik in der Toscana, die bis dahin noch unbekannt war. Zwischen 1224 und 1288 entstand ein reicher Gebäudekomplex zur Erinnerung an den Eremiten Galgano.
 

 

Mit dem Bau der riesigen Abtei-Kirche San Galgano wurde in 13. Jh. begonnen.
Schon ab dem 14. Jh. kamen schlechte Zeiten für das Kloster: Zweimal von Söldner-Truppen geplündert und zerstört, kam dann – noch schlimmer - der Niedergang der hohen Ideale des Ordens. Die Äbte bereicherten sich an den Kirchenschätzen und die Gebäude wurden dem Verfall preisgegeben. Ein Prior ließ den Bleimantel vom Dach nehmen und verkaufte ihn, wenig später taten sich große Risse im Mauerwerk auf und das Gewölbe stürzte ein. 1786 fiel der Glockenturm in sich zusammen.

Wenn Sie, lieber Besucher, jetzt zu dieser ehemaligen Abteikirche kommen, werden Sie sicher nicht unberührt bleiben von der Atmosphäre, die Sie hier umfängt. Allein die Dimensionen machen ehrfürchtig. Die Ruine steht wie im Traum versunken auf einer grünen Wiese. Bogen und Säulen, Schiff und Seitenschiffe, Säulen, Kapitelle – alles großartig. Das Dach allerdings, das ist der blaue Himmel! Die Wolken ziehen stumm vorbei an den leeren Fensterhöhlen, kein Prediger, der uns „die Leviten liest“. Die Stille wird nur unterbrochen vom Gesang der Vögel.
Für ganz Italien ist die Ruine der Klosterkirche noch immer ein eindrucksvolles Beispiel der
Gotik im Lande.

Seit einigen Jahren lebt hier in den alten Klostergebäuden, ganz zurückgezogen, eine Gruppe junger Leute, die sich um den Baubestand und um die Gärten kümmern.
Außerdem betreiben sie einen kleinen Verkaufsladen mit Kunstkarten etc.


Sehen Sie auf dem Foto unten den Stein mit der Aufschrift:
„Questo è l’angolo più bello del mondo“
„Dies ist der schönste Winkel der Welt“

Vielleicht entdecken Sie bei einem Besuch diesen schönsten Winkel der Welt auch für sich selbst!