Populonia

 

Populonia und Golfo di Baratti

Pupluna oder auch Fufluna, wie es bei den Etruskern hieß, liegt sensationell schön auf 180 m Höhe und bietet einen 360°-Rundum-Blick! Es ist die einzige am Meer gelegene Stadt des etruskischen Stammlandes. Hier wurden schon im 9. und 8. Jahrhundert vor Chr. Kupfer und Bronze aus den Colline Metallifere abgebaut. Ab dem 4. Jh. erlangte die Stadt immer mehr Bedeutung durch den Eisenerzabbau von der Insel Elba. Die Wichtigkeit, die die Stadt erlangte, kann man ersehen aus der Tatsache, daß sie vom 5. bis 3. vorchristlichen Jahrhundert eigene Gold- und Silbermünzen prägte, mit Löwen- und Gorgonenhaupt versehen.
 

Die Schutzmauer, die die Etrusker ab dem 6. Jh. vor Chr. aus einheimischen, grob behauenen Quadersteinen errichteten, ist zum Teil heute noch gut erhalten.

Vermutlich im 4. Jh. n. Chr. wurde Populonia Bischofssitz, was ihr aber nicht half, mit den Überfällen von Goten, Langobarden und Sarazenen fertig zu werden, die leichtes Spiel hatten, weil sie vom Meer her eine gute Angriffsfläche fanden. 835 n.Chr. floh der Bischof nach Massa Marittima, und aus der bedeutenden Stadt Populonia wurde ein kleines Dorf.

Erst im 14. Jh. begann wieder ein zaghafter Aufschwung, die Burg entstand, aber der einstige Reichtum stellte sich nicht mehr ein.

Heute ist Populonia - und vor allem seine am Fuß des Golfes gelegene - Nekropole ein Magnet für Etrusker-“Forscher“, seien es nun wirkliche Archäologen oder Touristen, die sich für die Geschichte interessieren.

Biegt man von der Hauptstraße ab, ist man begeistert von der Sicht auf die herrliche Bucht des Golfo di Baratti: Romantisch gelegen, tiefblaues Wasser, weißer Sand, unter Naturschutz stehende Pinienhaine; klein und fein!
 

Blickt man geradeaus nach oben, sieht man den Ort Populonia und auf der linken Seite die große Nekropole mit ihren unterschiedlichen Grabtypen. Noch vor ca. 100 Jahren waren diese Gräber mehrere Meter hoch von den Schlackenbergen der antiken Metallverhüttung bedeckt, so daß viele unter der Last eingestürzt waren. Entdeckt hatte man die Nekropole per Zufall, als die Schlacken, die von den Etruskern nur zu 40 bis 50 % des Eisengehalts ausgenutzt worden waren, während des 1. und 2. Weltkriegs aufgrund der Wirtschaftskrisen erneut verarbeitet wurden.

In 3 Bereiche ist die Nekropole aufgeteilt: San Cerbone, Casone und Porcareccia.

Das bedeutendste Grab von San Cerbone ist das Hügelgrab oder der Tumulus (7. Jh. vor Chr.) mit dem Namen „Tomba dei Carri“ (benannt nach den dort gefundenen Wagen; alles andere war geräubert!) mit einem Durchmesser von 218 m. Betritt man diesen Tumulus, gelangt man durch einen niedrigen Seitenkorridor mit 3 Nebenkammern in die Hauptkammer mit 4 Totenlagern aus Steinplatten, die in den Boden gerammt worden waren.

Nach den besonders schön ausgeführten, sozusagen „gedrechselten“ und gut erhaltenen Totenbetten ist die „Tomba dei Letti Funebri“ benannt.

Vor nicht allzu langer Zeit wurde bei der Nekropole von Porcareccia ein kleiner Teil des „industriellen“, Eisenerz verhüttenden Populonia entdeckt. Man fand ein Stück Straße, die aus regelmäßigen Steinen errichteten Mauern von 2 „Fabriken“ und die Reste eines Schmelzofens.

Außer dem Grabtyp des Tumulus gibt es noch den der „tombe a cassone“ zu sehen (tomba = Grab, cassone = große Kiste, große Truhe). Das sind sarkophag-ähnliche Kästen aus einem Steinblock oder aus mehreren Platten, mit einer Steinplatte zugedeckt, einfach auf dem Boden stehend.

Unter ihnen findet sich ein dritter Grabtypus, das sog. „Ädikula-Grab“ (Ädikula = kleiner Bau, kleiner Tempel). Es ist erbaut aus Steinblöcken in der Form eines Hauses und bietet im Inneren Raum für 3 Bestattungen.

 


Ädikula-Grab