Pisa

 

Pisa

... die Stadt des „Torre pendente“ und vieler anderer Schönheiten
 

Was wäre Pisa ohne seinen weltberühmten schiefen Turm?? Nicht auszudenken!!
Auf der Piazza dei Miracoli empfängt uns aber auch wirklich immer wieder ein unglaublich schönes Bild und man fühlt sich klein angesichts solch erhabener Größe.
Daß hier Bauwerke von solcher Großartigkeit entstehen konnten, beweist zweifelsohne den früheren Reichtum Pisas. Gegründet wurde die Stadt schon tausend Jahre vor Christi Geburt, das Jahr 1000 nach Christus läßt alle aufhorchen, als der Ruf von der Kultur Roms durch die Lande Europas geht.
Pisa war dazumal eine große Seemacht. Es kämpfte erfolgreich gegen die Sarazenen, vernichtete die ägyptische Flotte, nahm die ägyptische Hauptstadt Mehdia ein und beteiligte sich auch an den Kreuzzügen nach Palästina. Nach der Einnahme der Balearen (1114) sahen die großen Konkurrenz-Städte Genua und Florenz mit Neid auf Pisa.
Pisa war in diesen Jahrhunderten immer kaisertreu (ghibellinisch), während Genua und Florenz papsttreu (guelfisch) waren. Pisas Schicksal entschied sich, als es Genua 1284 gelang , die pisanische Flotte in der Nähe von Livorno (Insel Meloria) zu vernichten. Über 20.000 Pisaner fanden dabei den Tod. Von diesem Verlust konnte sich die Stadt nie wieder ganz erholen, und der Untergang der pisanischen Seemacht war besiegelt. Danach wählte man Ugolino della Gherardesca zum Podestà, der Frieden mit den Guelfen-Städten Florenz und Lucca schloß, was die Pisaner als Hochverrat ansahen. Sie ließen ihn mit Kindern und Neffen in einem Turm verhungern.
Pisa mußte politische Niederlagen und wirtschaftliche Rückschritte hinnehmen, bis schließlich die Macht über Pisa der Erzfeind Florenz übernehmen sollte. Die Pisaner verschlossen daraufhin ihre Tore, aber Florenz ließ die Stadt aushungern und hielt am 9.10.1406 Einzug. Die Kultur verkümmerte, und erst das Herzogtum Toscana und die Mediceer förderten die Stadt.
Pisas bedeutende Epoche war die Zeit zwischen 1063 (Vertreibung der Sarazenen) und 1284 (Niederlage bei Meloria). Dom mit Campanile, Baptisterium und Camposanto entstanden, und Nicola und Giovanni Pisano schufen mit dem Meißel Einmaliges.

Der Dom „Santa Maria Assunta“, das Baptisterium, der Monumentalfriedhof Camposanto und der Schiefe Turm sind Unikate, für die man sich einige Zeit nehmen sollte, um wenigstens die wichtigsten Dinge wahrzunehmen.
Vergessen Sie dabei nicht, am Dom die Bronzetüren von Bonnano aus dem Jahre 1186 näher anzusehen.
Auf dem Friedhof (Camposanto) ist das Fresko „Trionfo della Morte“ von großer Bedeutung. Ein unbekannter Meister hat es im 14. Jh. geschaffen. Dargestellt ist u.a. ein Mönch, der auf die Vergeblichkeit menschlicher Bemühungen hinweist gegenüber dem Tode, oder ein Eremit, der konfrontiert wird mit dem gesellschaftlichen Treiben höherer Stände angesichts des Todes. Eine andere Szene zeigt das Weltgericht. Alles ist sehr sehenswert!
Am besten, man klemmt sich einen handlichen Führer unter den Arm, nimmt sich einige Stunden Zeit und marschiert los mit offenen Augen und offenem Herzen.

Wer sich den Stadtplan von Pisa ansieht, wird merken, daß die Stadt nicht gleich an der Piazza dei Miracoli aufhört. Es gibt noch eine große Menge anderer herrlicher Dinge zu sehen.
Alleine am Arno-Ufer entlangzuwandern ist schön. Wer dann noch das Glück hat, an einem der Feste dazu sein, kann ganz bestimmt großartige Eindrücke mitnehmen. Über die Feste können Sie am Ende nachlesen.
 

Direkt am Arno gelegen und mit seinen vielen feinen Schmuckspitzen fast deplaziert wirkend vor all den großen Palästen ist die Kirche Santa Maria della Spina. (s. Abb. rechts)
Man kann sagen, sie ist ein zu Stein gewordener Reliquienschrein. „Spina“ bedeutet „Dorn“, in diesem Fall handelt es sich um die Reliquie „Dorn aus der Dornenkrone Christi“. Diesen Dorn mußte die Kirche aber an die Kirche Santa Chiara abgeben, trotzdem ist Santa Maria ein Kleinod. Die Figuren außen über dem Chor stammen u. a. von Nino und Giovanni Pisano.
Im Inneren ist noch der Tabernakel von 1534 zu bewundern, in dem einst der Dorn aufbewahrt wurde.
In der Vergangenheit hatte der Arno mit seinen immer wiederkehrenden Hochwassern die Kirche zu zerstören gedroht, so wurde sie 1871 Stein für Stein abgetragen und auf erhöhtem Standort orignalgetreu wieder aufgebaut.

San Pietro in Vinculis (oder San Pierino)
Die Kirche existiert seit 1074, hat 3 Schiffe, die von Arkaden mit interessanten Kapitellen getrennt werden; es handelt sich hierbei um antike Säulen und Kapitelle, die hier wiederverwendet wurden! Die weiträumige Krypta mit Kreuzgratgewölbe ist 4-schiffig und geteilt durch Pilaster und Säulen.

Santa Caterina
Der romanischen Fassade wurden um 1330 Zwerchgalerien und eine Rosette hinzugefügt. Sehenswert innen: An den Seiten des Altares Erzengel Gabriel und die Heilige Jungfrau von Nino Pisano, die noch Spuren von Farbe und Vergoldung aufweisen.
 

Piazza dei Cavalieri (Platz der Ritter)
Hier war schon im Mittelalter das weltliche Zentrum Pisas und wurde im 16. Jh. im Auftrag der Medici von Giorgio Vasari umgestaltet. Das Ensemble ist so gut gelungen, daß Viele den Platz wegen seiner Einheit als einen der schönsten Italiens rühmen.
Aus dem mittelalterlichen Kommunalpalast wurde der Palazzo dei Cavalieri, Sitz des Ritterordens des Hl. Stefan. Heute befindet sich dort eine Elite-Universität.
Die erneuerten Sgrafitti-Malerein entwarf auch Vasari.

Neben dem Palazzo dei Cavalieri erhebt sich die 1565 - 1596 errichtete Kirche Santo Stefano. Sie besitzt eine der klangvollsten Orgeln Italiens mit vielen alten Registern. Ansonsten erinnert das Innere etwas an ein Völkerkunde-Museum: Beutestücke, Siegestrophäen und Erinnerungsstücke aus diversen Schlachten sind hier zusammengetragen. Es gibt aber auch eine wunderbare Holzkassetten-Decke zu bewundern, ein wertvolles Reliquiar aus vergoldeter Bronze von Donatello und einen eindrucksvollen Altar aus orientalischem Porphyr.

Palazzo Carovana („Carovana“ entstammt dem Persischen und bedeutet „Reise/Schifffahrt in Begleitung“)
Von Vasari im 16. Jh. im Auftrag der Ritter von Sankt Stefan erneuert. Die Sgrafitti wurden nach seinen Entwürfen von Schülern ausgeführt.

Der Palazzo dell’Orologio ist ebenfalls von Vasari umgebaut.

Im Torre della Fame verhungerte 1288 Ugolino della Gherardesca mit Kindern und Neffen. Der Graf, Flottenführer der Schlacht bei Meloria, wurde des Hochverrats und der Tyrannei über seine Heimatstadt Pisa angeklagt.
Dessen Qualen sind in Dantes Göttlicher Komödie nachzulesen (Inferno 33,5-17).

Das National-Museum von San Matteo, gelegen an der Flußpromenade (Lungarno) ist leider oft selbst bei größten Touristenströmen in der Stadt fast menschenleer. Dabei gehört das Museum im ehemaligen Benediktiner-Kloster San Matteo mit schönem Kreuzgang aus dem 15. Jh. zu den wichtigsten Museen der Toscana, wenn nicht gar ganz Italiens.
Das Kloster wurde verschiedentlich verändert und im Laufe der Jahre auch als Gefängnis und Kaserne benutzt.
Im Saal der „tanzenden Figuren“ beeindrucken Skulpturen von Giovanni Pisano durch ihre Grazie und schwingenden Bewegungen, die der Künstler durch das Spiel von Licht und Schatten erzielt.
Von Nino Pisano die „Madonna del Latte“ aus samtig schimmerndem Marmor, ein Bronzeporträt eines Heiligen von Donatello, das Portrait des Apostels Paulus von Masaccio und die „göttliche und weltliche Liebe“ von Guido Reni sind Höhepunkte.

Die Kirche San Nicola stammt aus dem 12. Jh., allerdings ist nur der untere Teil der Fasse aus der Entstehungszeit. Im Inneren des 8-eckigen Campanile windet sich eine Treppe um einen offenen runden Schacht. Laut Vasari soll sie Bramante zum Bau der Treppe des Belvedere im Vatikan angeregt haben.
Für amicizia-Mitglieder hat diese Kirche eine besondere Bedeutung, denn zu ihr gehört der „Coro Polifonico San Nicola“, der uns mit seinem Gesang, zusammen mit dem Orchester der Wiesbadener Musik- und Kunstschule, schon mehrfach begeistert hat!

San Piero a Grado, ca. 6 km außerhalb der Stadt

Im 11. Jh. wurde die Basilika an der einstigen Mündung des Arno (heute ist sie versandet) errichtet. Sie soll bereits im 6. Jh. gegründet worden sein, und zwar an der Stelle, an der Petrus, von Jerusalem kommend, in Italien an Land gegangen sein soll und die erste christliche Gemeinde der Appenninenhalbinsel versammelte.
Der Außenbau ist aus Tuffstein und Marmor und weist die typischen Schmuckelemente der frühen Pisaner Kirchen auf: Bögen mit Rhomben und Kreisen sowie schmale Lisenen.
Inneres: Die 3-schiffige Basilika mit 3 Apsiden im Osten hat noch eine zusätzliche Apside im Westen (Petrus-Altar). 24 Säulen tragen antike Kapitelle. Die gut erhaltenen Fresken des Hauptschiffs, entstanden um 1300, zeigen unten Papstporträts, in der mittleren Zone Szenen aus dem Leben des Hl. Petrus und in der oberen Zone Mauern des Himmlischen Jerusalem, aus dessen Fenster Engel schauen.


Feste in Pisa:

Brückenspiel
An diesem auf der Brücke „Ponte di Mezzo“ ausgetragenen Wettstreit, der erstmals 1568 erwähnt wird, nehmen die beiden Parteien teil, in die der Arno die Stadt unterteilt: Tramontana und Mezzogiorno. Jeweils 6 Mannschaften der beiden Stadtteile kämpfen gegeneinander, wobei die Partei gewinnt, die den Gegner öfters zum Rückzug zwingt. Diesem Spiel geht ein Umzug auf den Arnopromenaden voraus, an dem mehr als 700 Personen teilnehmen.

Regatta des Heiligen Ranieri
Bereits 1292 gab es die erste Regatta dieser Art. Die Regeln wurden inzwischen etwas geändert, aber seit 1718 findet sie zu Ehren des Schutzpatrons von Pisa in jetziger Form statt.
Beteiligt sind die 4 historischen Stadtviertel von Pisa: San Martino, Sant’Antonio, Santa Maria und San Francesco.

Regatta der antiken Seerepubliken
Bei dieser Regatta treffen die „alten Seemächte“ Amalfi, Genua, Pisa und Venedig aufeinander. Die Boote sind alle gleich, jedes mit 8 Ruderern und einem Steuermann; der einzige Unterschied liegt in den Galionsfiguren und den Wappen.
Vor dem Wettstreit findet ein Kostüm-Umzug mit 320 Personen statt, der an die wichtigsten Momente ihrer Geschichte erinnert.

Lichterfest des Heiligen Ranieri, la luminara
Schon im Mittelalter und in der Renaissance gab es Fensterbeleuchtungen für Umzüge und Prozessionen. Seit dem 18. Jh. wird die Luminara künstlerisch gestaltet: Mit ca. 70.000 kleinen Lichtern werden die Palazzi entlang des Lungarno beleuchtet, die sich im Wasser widerspiegeln - wunderschön!