Montepulciano

 
Montepulciano

Bereits von den Etruskern besiedelt, im 12. und 13. Jh. immer wieder von Sienesen und Florentinern umkämpft, zerstört, erobert und schließlich im 16. Jh. zur Ruhe gekommen unter der Herrschaft der Florentiner. Das Stadtbild, wie wir es heute sehen, entstand in jener Zeit, und so ist Montepulciano eine der am besten erhaltenen Städte aus der Spätrenaissance.
Nicht aber zu vergessen die Berühmtheit durch den „Vino Nobile di Montepulciano"*!

Das wohl wichtigste Bauwerk ist die Kirche Madonna di San Biagio, die etwa 2 km außerhalb der Stadt liegt. Antonio da Sangallo d.Ä. errichtete hier 1518 – 1545 auf den Resten einer romanischen Pieve sein Meisterwerk aus goldgelbem Travertin.
Sowohl durch die Lage, frei und erhaben in der hügeligen Toscana-Landschaft, als auch durch die Reinheit der Formen wird diese Kirche zu einem der eindrucksvollsten Zentralbauten des 16. Jahrhunderts.
Der Grundriß ist ein griechisches Kreuz. Im Süden wurde eine Apsis angefügt, die im Inneren aber nicht sichtbar ist; sie dient als Sakristei. Die Kirche ist ein Musterbeispiel für den „reinen, schmucklosen Stil", wie er sich in der Nachfolge von Bramantes Hochrenaissance-Bauten bildete. Flache Pilaster, und strenge geometrische Formen (Quader, Zylinder, Halbkugeln) sind typische Merkmale.

Zwei freistehende Türme wurden erst einige Jahre später angefügt, aber nur der östliche wurde vollendet mit der Abfolge der klassischen Ordnungen „dorisch, ionisch, korinthisch".

Das Innere der perfekt symmetrischen Kirche wirkt streng und feierlich. Einige der zur ursprünglichen Ausstattung gehörigen Altargemälde gingen bei einem Kunstraub in jüngster Zeit verloren.
Der Hauptaltar stammt von Lisandro Albertini (1584), die 4 Heiligen-Statuen sind von Ottaviano Lazzerini.


Madonna di San Biagio

Links von der Kirche erhebt sich die Canonica, das Pfarrhaus. Entworfen auch von Sangallo, wurde es aber erst 1595 gebaut, ebenso der Brunnen.

Der Mauerrring, der Montepulciano umgibt, wurde von Antonio da Sangallo im Auftrag Cosimos I. errichtet.
Das Herz der Stadt ist die Piazza Grande, die von außergewöhnlichen Palästen, vom Dom und vom Rathaus gesäumt wird.

Mit dem Bau des Domes wurde 1594 begonnen, nachdem die alte Pieve abgerissen wurde. Lediglich der Campanile blieb erhalten, der später aber etwas verändert wurde. Die Fassade des Doms blieb unvollendet.

Der Palazzo Communale (Rathaus) erinnert mit seinen Rundbogenfenstern, dem zinnenbesetzten Wehrgang und dem Turm an den Palazzo Vecchio in Florenz. Seine jetzige Gestalt soll entstanden sein nach den Plänen von Michelozzo (1424). Bei einer jüngeren Restauration wurde ein Innenhof aus dem 14. Jh. freigelegt.
Vom Turm aus genießt man einen großartigen Blick zum Monte Amiata und zum Trasimenischen See.

Viele großartige Paläste reihen sich aneinander, als kleines Kuriosum sei der Palazzo Bucelli erwähnt (Via Gracciano nel Corso 26 oder 73??). Der Besitzer war Sammler etruskischer und römischer Altertümer, die ins Archäologische Museum von Florenz gelangten. Weniger flexibel waren die bereits in den Sockel des Palastes eingebauten etruskischen Aschenurnen und römischen Inschriften, die daher noch heute von der Straße aus bestaunt werden können.

Der Torre di Pulcinella ist benannt nach der Pulcinella-Figur aus der Commedia dell’arte. Die Holzfigur aus neapolitanischer Werkstatt schlägt jede Stunde.
Palazzo Nobili Tarugi

Vermutlich nach Plänen von Sangallo entstanden. Kolossalpilaster ionischer Ordnung verbinden Erdgeschoß und „piano nobile".

Renaissance-Brunnen von 1520. Auf dem von 2 etruskischen Säulen getragenen Gebälk halten 2 Löwen das Medici-Wappen


Palazzo Neri-Orselli = heute Museo Civico

Backsteinbau des 14. Jh., durch horizontal verlaufende Bänder aus Travertin gegliedert.
Gezeigt werden Majolika-Arbeiten der della-Robbia und eine kleine Gemälde-Sammlung.


Santa Maria dei Servi: 14. Jh.

2. Altar li.: "Madonna della Santoreggia", Fresco 14. Jh.,
3. Altar li.: "Muttergottes mit Kind", Tafelbild eines Duccio-Nachfolgers,
Anfang 14. Jh.


* Vino Nobile di Montepulciano
60 – 80 % Sangiovese-Trauben
10 – 20 % Canaiolo Nero
max. 20 % andere Sorten aus der Provinz Siena, z.B. Malvasia
(weiße Trauben nicht mehr als 10 %)
Granat- bis ziegelrot, nach Lagerung orangerot.
Ausdrucksvolles Bukett mit Veilchenduft.
12,5 – 13,5 °
2 Jahre Lagerung im Faß sind vorgeschrieben; nach 3 Jahren Lagerung darf der Wein sich „Riserva" nennen, nach 4 Jahren Lagerung „Riserva speziale"


Seit 1980 hat der Vino Nobile den Status
D O C G

Denominazione
di Origine
Controllata
e Garantita