Massa Marittima

 

Massa Marittima

Ein städtebauliches Juwel — ein Musterbeispiel einer mittelalterlichen Stadt!

Nur ca. 10.000 Einwohner hat das Städtchen, liegt in 380 m über der Maremma und steigt in 3 Teilen (Città Vecchia - 11./12./13. Jh. - , Città Nuova - 14./15./16. Jh. - und Borgo - Vorstadt-Viertel) allmählich zum Monte Arsenti an, der zu den Colline Metallifere gehört.
Im Mittelalter war es Zentrum des Bergbaus (Kupfer– und Silberminen), weshalb hier 1310 der Codice Minerario Massetano entstand, der dem Bergbau erstmals eine gesetzliche Grundlage gab.

Nach dem 2. Weltkrieg wurden die Minen geschlossen; statt dessen baute man Ferienwohnungen und –häuser und lebt nun vom Tourismus.

In der Città Vecchia liegen alle wichtigen Gebäude an einem Platz, rings um die unregelmäßig ansteigende Piazza Garibaldi.


Piazza Garibaldi

An diesem Platz steht zum Beispiel der Palazzo Pretorio, oder auch Palazzo del Podestà (mittelalterlicher Stadtvogt). Nach 1225 aus Travertin-Gestein errichtet, trägt er auf der Fassade Wappen von Massa Marittima, Siena und vielen Podestà. Er beherbergt das Archäologische Museum mit einer Sammlung etruskischer Funde, z. B. vom nahegelegenen Accesa-See, außerdem eine Pinacothek mit dem größten Schatz der Stadt: Einer farbenprächtigen Maestà von Ambrogio Lorenzetti (von etwa 1335). Dieses Altarbild gilt als das Hauptwerk des Sienesischen Malers.

Der älteste Teil des Palazzo Comunale ist der Torre del Bargello (Gerichtsturm), der um 1250 entstanden ist. Durch Verbindung mehrer Wohn– und Verteidigungstürme des 13. und 14. Jh. und durch die Arkadengänge ist der Gebäudekomplex durchaus beeindruckend.


Wenn man nun versucht sich vorzustellen, daß den Häuser im Mittelalter Balkons und Fensterläden aus Holz vorgebaut waren, dann könnte das in etwa wie folgt ausgesehen haben (die folgende Simulation ist nicht von Massa!):
 


Simulation: Mittelalterlicher Häuser mit üblichen Holzbalkonen

Drehen wir uns nun um und bestaunen den Dom San Cerbone:

Die Treppenstufen, die zum Dom hinaufführen, bieten sich wie Sitzreihen eines antiken Theaters vor der Platzkulisse dar.
 

Das Äußere des Domes stammt im wesentlichen aus dem 13. Jh. und die besondere Wirkung ist sicherlich zurückzuführen auf die Treppenanlage und den Glockenturm, der durch die nach oben hin zunehmende Anzahl der Fensterbögen grazil und leicht wirkt. Geweiht ist der Dom dem Schutzheiligen San Cerbone, der 570 Bischof von Populonia wurde.

Der untere Teil der Fassade ist von Guivanni Pisano und auch hier wirkt die Front leicht und grazil durch die Säulen in verschiedenen Größen. Die Giebelgestaltung mit den abgestuften Arkaden ist besonders interessant: Die mittleren 3 Säulen ruhen auf Figuren (Pferd, Mensch, Greif).

Der Türsturz über dem Hauptportal zeigt 5 Szenen aus dem Leben des Heiligen Cerbone.

Das Innere besaß ursprünglich einen offenen Dachstuhl, so daß die Kirche damals viel heller gewesen sein muß. Das heutige schwere Kreuzgratgewölbe wurde erst im 17. Jh. eingezogen.

Beeindruckend ist an der Westwand der Reliefzyklus (vermutlich aus dem 11. Jh.): Dargestellt sind die Thronende Madonna, Christus in der Mandorla, Maria inmitten der 12 Apostel und der Bethlehemitische Kindermord.


Einige der vormittelalterlichen Apostel

Prächtiger und realistischer gearbeitet sind die Darstellungen am Taufbecken im rechten Seitenschiff. Das Taufbecken hat Giroldo da Como 1267 aus einem einzigen Travertinblock geschaffen. Dargestellt sind Szenen aus dem Leben Johannes des Täufers.

In der Krypta hinter dem Altar befindet sich der Sarkophag des Hl. Cerbone (493—575). Sein dramatisch bewegtes Leben hat Goro di Gregorio 1324 in ehemals farbigen Relies dargestellt:

Der Heilige wird gefangengenommen und von Totila den Bären vorgeworfen / der Heilige wird von den Bären befreit / der Hl. Cerbonius wird von den Bürgern gebeten, die Messe zu lesen / er wird von Bürgern vor Papst Virgilius angeklagt / Cerbonius wird von den Gesandten des Papstes aufgefordert, sich ihnen zu präsentieren / er melkt in der Nähe von Follole eine Hirschku / in der Nähe von Rom heilt er Kranke / er läßt den Papst das Himmlische Gloria hören.

Im linken Querschiff, des Doms, in der Cappella della Madonna ist eine Altartafel mit der „Madonna delle Grazie“ zu bewunden, die Duccio di Boninsegna (1316) zugeschrieben wird.
 

Der schönste Zugang zur Città Nuova führt von der zentralen Via della Liberta über eine steile Treppengasse zur Fortezza dei Senesi. Die Festung am Eingang zur Neustadt - im Zuge eines Krankenhausbaus teilweise abgerissen - ist durch einen wuchtigen Brückenbogen, dem Arco dei Senesi, mit dem Uhrturm (Torre del Candeliere oder Torre dell’Orologio) verbunden.

Der Turm kann bestiegen werden, und bei schönem Wetter lohnt der Blick in die herrliche Landschaft ganz gewiß!