Bolgheri / Castagneto Carducci

 

Bolgheri

Von der Via Aurelia biegt in der Nähe von Marina di Bibbona landeinwärts eine 4 km lange schnurgerade Zypressenallee nach Bolgheri ab. Der Ort bietet einen in sich wunderschön abgeschlossenen Kern, der um die Burg des grausamen pisanischen Herrschers Gherardesca im 16. Jh. entstand. Eine gewisse Faszination geht von diesem kleinen Ort aus, in dem es an vielen Stellen herrlich blüht, in dem ansonsten die Zeit stehen geblieben zu sein scheint.
 

Berühmt wurde Bolgheri im Jahre 1906, als der Dichter Giosuè Carducci den Nobelpreis für Literatur bekam. Er hatte hier von 1938 bis 1948 gelebt und viele Gedichte über seine Heimat geschrieben, unter anderem über die Zypressenallee, die dadurch auch berühmt wurde; ziemlich jedes Schulkind kennt die Hymne .

Die ersten Verse kann man hier nachlesen, und wer Lust hat, kann auch eine Übersetzung versuchen! Mehr Verse gibt es auf Anfrage bei der LETTERA-Redaktion.
 

Davanti a San Guido, Giosuè Carducci

I cipressi che a Bólgheri alti e schietti
Van da San Guido in duplice filar,
Quasi in corsa giganti giovinetti
Mi balzarono incontro e mi guardâr.
 
Mi riconobbero, e - Ben torni omai -
Bisbigliaron vèr me co ‘l capo chino -
Perché non scendi? perché non ristai?
Fresca è la sera e a te noto il cammino.
 
Oh sièditi a le nostre ombre odorate
Ove soffia dal mare il maestrale:
Ira non ti serbiam de le sassate
Tue d’una volta: oh, non facean già male!
 
Nidi portiamo ancor di rusignoli:
Deh perché fuggi rapido così
Le passere la sera intreccian voli
A noi d’intorno ancora. Oh resta qui!
 
Bei cipressetti, cipressetti miei,
Fedeli amici d’un tempo migliore,
Oh di che cuor con voi mi resterei -
Guardando io rispondeva - oh di che cuore!

Am zentralen Ortsplatz steht eine Skulptur von Carduccis Großmutter Lucia, die er häufig in seinen Gedichten nennt. Ihr sollte man bei einem Besuch in Bolgheri auch mal „guten Tag“ sagen!

In einem großen Teil der Gedichte von Carducci findet man die Sehnsucht nach den Landschaften seiner Heimat, vor allem die Sehnsucht nach der Maremma, wie hier in dem Gedicht “Nostalgia” (Sehnsucht) aus den Rime Nuove:

“La’ in Maremma ove fiorio
La mia triste primavera,
La’ rivola il pensier mio
Con i tuoni e la bufera:
La’ nel cielo librarmi
La mia patria a riguardar,
Poi co’l tuon vo’ sprofondarmi
Tra quei colli ed in quel mar.“

Dort in der Maremma, wo mein
trauriger Frühling blühte,
dahin fliegen meine Gedanken
bei Donner und Sturm:
Frei dort im Himmel seh’ ich runter
auf meine Heimat,
um dann beim Donner zwischen den
Bergen und dem Meer unterzugehen.



Castagneto Carducci


Malerisch auf einem Hügel, inmitten immergrüner Macchia, liegt das Städtchen; bis zum Meer kann man schauen, an klaren Tagen bis nach Korsika.

Der Dichter Carducci wohnte 1848/49 in Castagneto in einem Haus links des Stadttors, durch das man den Ort betritt. Über dem Torbogen befindet sich ein Tabernakel mit zwei Terracotten aus dem 15. Jh.
Der Ortskern ist eng mit dem ehemaligen Kastell der Gherardesca verbunden, dessen zinnengekrönte Mauern 1930 erneuert wurden.

Der Ort ist etwas größer als Bolgheri, es gibt nette Wein-Probierstuben und beim Schlendern die Straße abwärts kommt man zu einem Aussichts-Balkon, den man nicht versäumen sollte!