Herbstreise 2018 nach Marina di Pietrasanta


„Herbstreise nach Marina di Pietrasanta" mit Marcello und Irene vom 16. bis 23. September 2018
 

Lardo, Meer und Marmor

Von Heinz Heuerz

Unser Bus startete am 16. September pünktlich in Wiesbaden und brachte uns durch die Schweiz an die Versaliaküste zu unserer „Basis“, das Hotel Venezia in Marina di Pietrasanta, einer der bekanntesten Badeorte der Region. Unser erstes Ziel am folgenden Tag war Sarzana in der Provinz La Spezia am Ufer des Flusses Magra und im Besitz von gleich zwei Festungen. Ab 1163 durfte Sarzana Wegzoll erheben, erlebte seine Blütezeit und stieg schließlich zur Idealstadt der Renaissance auf. Der Ort gilt als Geheimtipp für Antiquariate.

Kunstzentrum Pietrasanta

Pietrasanta am Fuße der Apuanischen Alpen genießt den Ruf als Kunstzentrum der Versalia und der Marmor aus der Nachbarschaft ist der Grund. Alle namhaften Künstler der Vergangenheit waren dort zu Gast, um den Umgang mit dem Werkstoff Marmor zu erlernen. Auch heute prägt die Kunst das Stadtbild. Neben Dom, Campanile und einigen Palazzi begeistern zeitgenössische Skulpturen auf dem Domplatz. Der Nachmittag gehörte dann ganz den Sonnenhungrigen, egal ob am weitläufigen Strand oder am hoteleigenen Pool.

Tag des Marmors

Die Marmorbrüche rund um Carrara sind legendär und bei unserem Besuch dort wurde klar, dass der Abbau auch heute noch eine äußerst gefährliche Angelegenheit ist. Bereits die Römer schätzten diesen Werkstoff, bevor Michelangelo ihm zu seiner Berühmtheit und zu seinem Luxusstatus verhalf. So wurde er zum beliebten Baustoff der Reichen und Mächtigen, die mit Hilfe der Künstler für unvergleichliche Bau- und Kunstwerke sorgten. Das gilt im Übrigen für alle Kunst- und Stilepochen.

In Collonata, einem Dorf oberhalb Carraras, hat man dem Marmor eine kulinarische Seite abgewonnen. In Trögen aus Marmor reifen die fetten (weißen) Seiten des Specks ihrer eigentlichen Bestimmung entgegen. Mit Hilfe von Salz, Gewürzen und mindestens 6 Monaten Reifezeit entsteht in den Marmorbottichen der „Lardo di Collonata“, der auf der Zunge zergeht und bei Gourmets einen seltsam verklärten Blick auslöst.

Die Puccini-Stadt

Giacomo Puccini (La Boheme, Madame Butterfly, Turandot) wurde 1858 in Lucca geboren und die Stadt würdigt ihren berühmtesten Sohn entsprechend. Luccas Bedeutung spiegelt sich in zahlreichen großen, sehenswerten Plätzen, romanischen Kirchen und mittelalterlichen Türmen wieder, ebenso in der einmalig erhaltenen Stadtmauer, die den historischen Stadtkern umschließt.

Luccas Kathedrale San Martino stammt aus dem 12. Jahrhundert und ist opulent ausgestattet. Im Innenraum fällt besonders das Sakramentshaus auf, in dem das Kruzifix „Volto Santo di Lucca“ aufbewahrt wird.

Herr Puccini begegnete uns am Nachmittag dann wieder, als wir Torre del Lago, ein Dorf am Lago Massaciuccoli, einen Besuch abstatteten. In der dortigen Villa Puccini lebte und arbeitete der Meister. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich ein beeindruckender stadionähnlicher Bau, in dem alljährlich das Puccini-Festival veranstaltet wird. Den See lernten wir per Bootsfahrt kennen und musikalischer Begleiter dabei war, Sie ahnen  es: Giacomo Puccini.

Die zitternde Brücke

Pontremoli heißt übersetzt „die zitternde Brücke“. Die namensgebende Brücke gibt es nicht mehr, der Name ist geblieben und Pontremoli ist eine echte Perle, ursprünglich, authentisch und wenig touristisch. Liegt vielleicht an der Lage am Chisapass, über den auch der alte Pilgerweg „Via Francigana“ führt. Die Stadt verfügt über einen Dom und das “ Museo delle Stele“, in dem rund 5000 Jahre alte Stelen, die in der Lunigiana (so heißt die umliegende Region) gefunden wurden, ausgestellt sind. Gastgeber dieses eindrücklichen Museums ist das Kastell über der Stadt und in dessen großem Saal erwartete uns ein großartiges Mittagsbuffet, denn auch historisch Interessierte verspüren Hunger und Durst.

Stadt mit Orangenpiazza

Massa, Hauptort der Provinz Massa-Carrara, ist nicht nur zu Recht stolz auf seinen Dom, den eindrucksvollen Palazzo der mächtigen Malaspina-Familie, sondern auch auf die Piazza degli Aranci, die von Orangenbäumen gesäumt ist.

Und dann kam der letzte Abend, also Zeit, uns bei den Verantwortlichen unserer Reise zu bedanken. Marcello und Irene war es erneut gelungen, einen perfekten, abwechslungsreichen Mix aus Kunst, Kultur, Vergangenheit, Gegenwart, Kulinarik, Spaß und italienischen Besonderheiten zusammenzustellen, der keine Wünsche offenließ und der breiten Zuspruch und Anerkennung fand. Irene Vossberg als Reisebegleiterin ist nicht zu toppen, denn ihre ruhige und hilfsbereite Art gepaart mit stetiger Aufmerksamkeit ist einfach großartig und bei unserer Fahrerin Heidi waren wir in allerbesten und gewohnt sicheren Händen.

Was bleibt sind viele schöne Erinnerungen, angenehme menschliche Begegnungen und die Vorfreude auf die nächste Reise.