35 Jahre amicizia e.V.

 

Grußworte von Michael Müller
 

Nach 32 Jahren Mitgliedschaft und gut 20 Jahren als 1.Vorsitzender unsres deutsch-italienischen Freundschaftsvereins möchte ich aus Anlass dieses „kleinen Jubiläums“ ein paar meiner Gedanken über unsren Verein aufschreiben.
1980 waren es eine Handvoll Enthusiasten, die mit der Vereinsgründung ihr persönliches Engagement und ihre gute Idee manifestiert haben. Diese Idee ist nach 35 Jahren noch genauso lebendig und heute so aktuell wie damals. Heute, im Jahre 2015, sind wir bei Amicizia ca. 350 Mitglieder, die alle aus unterschiedlichsten Gründen Mitglied unsres Vereins geworden sind. Die Liebe zur italienischen Kunst, Kultur, Geschichte aber auch die gute italienische Küche und der Wein die herrlichen Landschaften und nicht zuletzt die andere, die italienische Mentalität, die uns anzieht, haben viele von uns in den Verein geführt.
Den Vereinsgründern ging es damals aber zum einen, konkret um die Unterstützung der „italienischen Gastarbeiter“ in Wiesbaden. Aber auch der Austausch von unterschiedlichsten Gruppen aus Wiesbaden und der Toskana wurden organisiert und unterstützt. Dabei standen immer Musik- und Soziale Projekte im Mittelpunkt. Denn der Abbau von Vorurteilen ist nur möglich, wenn man den anderen und die Andersartigkeit kennenlernt und versteht, zumindest zu verstehen versucht. Diese Überzeugungen wurden damals in unsere Satzung geschrieben, die heute nach 35 Jahren immer noch so aktuell ist wie damals.
Deshalb erlaube ich mir, die aus meiner Sicht wichtigsten Sätze aus unsrer Satzung einmal zu zitieren, zumal nicht jedes Vereinsmitglied Satzungen liest oder auch kennen muss :

„Zweck des Vereins ist es, nach den Grundsätzen der Freiwilligkeit und Solidarität deutsch-italienische Kulturarbeit durchzuführen und soziales Engagement in Deutschland und in Italien zu fördern. Dabei dient der Verein dem besseren Verständnis zwischen Italienern und Deutschen. Er fördert den partnerschaftlichen Austausch von Meinungen zwischen Deutschen und Italienern. Der Verein stellt sich in den Dienst sozialer Minderheiten beider Nationalitäten. Er fördert die Teilnahme an Sprachkursen zum besseren Verständnis zwischen beiden Nationalitäten. Dabei soll jedes Engagement einen sozialen Charakter tragen.“

Viele unsrer Aktivitäten und unsres Engagements in diesen 35 Jahren entsprachen und entsprechen voll diesem Geist. Es würde den Rahmen sprengen, alle hier im Einzelnen aufzuzählen.

Heute, nicht zuletzt im Zusammenhang mit der Eurokrise, sind die alten Vorurteile wieder zu hören. „Die Italiener – die Südeuropäer - sollten mal von uns lernen, zu arbeiten und zu sparen“. Solche halbgaren Sprüche tragen nicht zu einem besseren, gemeinsamen Verständnis und friedlichem Zusammenleben bei. Die Arbeitslosigkeit, gerade die Jugendarbeitslosigkeit, ist in Italien ( Nov. 2014 43,9%) sehr hoch. Fast jeder zweite junge Italiener unter 25 Jahren hat keinen Job oder macht keine Ausbildung. Sicher ist das in erster Linie auf ein Versagen der italienischen Politik zurück zu führen. Stellen Sie sich dies aber einmal bei uns vor!

Viele der gut ausgebildeten jungen Italiener verlassen nach dem Studium ihr Land, manche davon kommen auch zu uns nach Deutschland um hier einen Arbeitsplatz zu finden. Die Zukunftsaussichten junger Menschen sind aber mit entscheidend für ihre Einstellung zum Leben. Das Vertrauen in die eigene Zukunft ist auch die Basis für das Vertrauen in unsre gemeinsamen Werte und in die europäische Idee.

Durch meine häufigen Reisen nach Italien konnte ich dort Freunde finden, mit denen ich auch einen Einblick in das Alltagsleben in Italien gewinnen konnte. Aber auch durch die Bekanntschaft mit Italienern, die in Wiesbaden leben, die ich insbesondere über die Comunità Cattolica Italiana machen durfte, weiß ich wie schwer für manche von ihnen, selbst in der zweiten oder dritten Generation das Leben in unserer Stadt ist. Die Gespräche mit Italienern hier in Wiesbaden und dort in Italien und das Kennenlernen haben mir persönlich geholfen, meinen Blick zu erweitern. So wünsche ich uns allen ein besseres Verständnis der Italiener und weiterhin Freude an Italien und mit den Italienern.
Bleiben Sie unserem deutsch-italienischen Freundschaftsverein Amicizia e.V. noch lange treu und gewogen.

 

Grußworte von Marcello Caldori
 

Wie kam der Name AMICIZIA zustande? Marcello erinnert sich.
Achim Exner ist am Montag den 1.Dez.70 geworden. Er wurde groß geehrt und auch meinerseits wünsche ich ihm alles Gute und nehme das zum Anlass über die Geburtsstunde unseres Vereins zu erzählen und ihm als Mitbegründer im Namen aller Mitglieder ein herzliches Dankeschön für seine Tatkraft auszusprechen.
Vor 35 Jahren saßen wir in der Trattoria „Da Marcello“ in der Taunusstrasse, zusammen mit einem knappen Dutzend Freunde. Achim Exner, Helmut Viehmann, Rainer Lorenz, Thomas Schütz, Franco Belgiorno, Marcello Caldori, Dieter Busch, Gerhard Baumgärtner, Ivo Bazzoli und weitere. Weil wir zusammen schon einige gemeinnützige Veranstaltungen mitgemacht hatten und das erwirtschaftete Geld jeweils zur Verfügung gestellt hatten, dachten wir, es wäre besser einen eigenen Verein zu gründen. Wir hatten ein Fußballspiel in Sonnenberg organisiert mit einer Damenmannschaft „Hessenauswahl“ und einer Männermannschaft „Prominenter“. Das Eintrittsgeld von total 2000 DM war an die Aktion Sorgenkind überwiesen worden. Für die Impulsgruppe Wiesbaden spielten wir im Stadion der Berlinerstrasse ein Turnier mit mehreren Mannschaften und auch diese Einnahmen wurden für eine Woche Ferien in Tavarnelle V.P. für behinderte Kinder und Jugendliche verwendet. Unser neu zu gründender Verein sollte jedenfalls etwas soziales sein. Wir saßen schon eine Stunde zusammen und zerbrachen uns immer noch die Köpfe über den Namen. Einige Gläser Wein hatten wir schon getrunken als Achim zu singen begann : natürlich das Lied der sozialistischen Partei. Und da hat es geklickt: „sag mal wie sagt man Freundschaft auf Italienisch?“
Natürlich „amicizia“ ! Alle stimmten bei und fanden das gut: AMICIZIA- deutsch-italienischer Verein für soziale Partnerschaft e.V. Mit Hilfe von ein paar anwesenden Juristen wurde eine Satzung entworfen.

Die ca.5000 italienischen Mitbürger in Wiesbaden von damals hatten viele Probleme, kannten die Sprache nicht, waren einfache Arbeiter und inzwischen waren in unseren Verein auch einige Sozialarbeiter eingetreten welche sich für die Belange der italienischen Immigranten stark machten. Einer von ihnen war Ivo Bazzoli, oder Giovanni Bordoli. Dank unserer Initiativen wie z.B. zusammen mit der Impulsgruppe Wiesbaden behinderte Kinder in die Toskana zu begleiten, oder mit dem Seniorenzentrum Adlerstraße eine erste Reise für über 60-Jährige zu organisieren, wuchs die Mitgliederzahl relativ schnell. Dieter Busch, Journalist beim ZDF, wurde unser erster Präsident. Er hatte schon vorher mit viel Engagement mitgemacht und war überzeugt daß Immigrantenhilfe und Völkerverständigung nötig waren. Franco Belgiorno, auch Journalist, wurde 2.Vorsitzender, Thomas Schütz unser erster Schatzmeister.
Um sich bei einem Glas Riesling zu überlegen wie man auch Erwachsene mittleren Alters erreichen könnte traf sich Ingeborg Toth mit Ivo Bazzoli und Marcello eines Abends im Rheingau. Die da geborene Idee „eine Woche Kochkurs in der Toskana“ wurde ein Hit der uns viele neue Mitglieder bescherte.

Das waren die ersten Schritte unseres Vereins, aber um alles zu erwähnen was wir in den letzten 35 Jahren gemacht haben würde dieser Aufsatz ein ganzes Buch. Ich bedanke mich bei allen Vorstandsmitgliedern die über die Jahre ihre Zeit und Disponibilität in den Verein eingebracht haben und wünsche mir dass das noch lange weitergetragen werde.

Allen ein gesundes und frohes 2015.